Plastiken und Raumbildobjekte


Walter M. Förderer zu seinen Raumbildobjekten (aus Förderer 1982: Kunst und Kirche, 4):

Ein Architektenkollege fragte mich: Warum versagtest du dir die Architektur ausgerechnet zu der Zeit, als du mit deinen Vorstellungen von individueller Architektur einer breiten Zustimmung sicher sein konntest?
Antwort: Über die Jahre hin sind mir beim Bauen Raumvorstellungen zugewachsen, deren inhaltliche Aussage und Ausdruck so entschieden war, dass sie (als gebaute Räume verwirklicht) zu entweder nur noch beschränkt oder gar nicht benutzbaren Bauten geführt hätten. In unsere Zeitsituation hinein solche artifizielle oder ausdruckshaft agitative Räume zu bauen, verbot sich mir, da unsere Zeit statt dessen eher „offene“ Räume braucht, und da ich „meine“ Zeit nicht verraten wollte.

Eine Bildhauerin fragte: In einer ihrer Publikationen war eine aufgefaltete Eisenplastik abgebildet, die Sie zu Anfang der fünfziger Jahre gemacht hatten. Sie schrieben dazu, dass Ihnen diese Plastik nicht genüge, weil nur hineinzusehen und nicht auch hineinzugehen wäre. Nun schaffen Sie Räume, in die auch wieder nicht hineinzugehen ist. Warum dieser Rückfall?
Antwort: Für mich ist dies kein Rückfall. Während meiner Arbeit als Architekt, die vorwiegend offene, für die Benutzbarkeit möglichst wenig festgelegte Räume zum Ziele hatte, sind mir immer wieder Vorstellungen zu Räumen von einprägsamer Stille und entsprechend entschiedener Ausdruckshaftigkeit zugekommen. Ich sah diese (im Gegensatz zu meinen gebauten Räumen, die auf unterschiedliche menschliche Affektivität hin in verschiedene Bereiche gegliedert sind) als eindeutig proportionierte, klar überschaubare „Raumbilder“ vor mir, die durch darin sich tummelnde Menschen gestört, wenn nicht gar zerstört würden. Ich bin überzeugt, dass sie gesehen und erlebt werden sollten als Hinweis auf noch andere räumliche Gestaltmöglichkeiten, als sie mit gebauten Räumen zu erfahren sind. Meine Bildräume sollen je eine besondere Gestimmtheit vermitteln, die sich über die Lichtführung, über die Raumproportion (die dann und wann durch idealartige menschliche Figuren verdeutlicht wird) oder auch über inhaltlich geschehnishaft figurative oder abstrakte Inszenierung (z.B. mit Ketten, Türen, Zeichen etc.) ergibt. So besetzte, nicht für die Füsse, nur für die Augen offene Räume haben meine ganze Neugierde; ich muss sie machen, weil ich sie sehen will! - Übrigens noch: Vieles, was meine Raumbilder zeigen, ist nur dank ihrer Kleinheit zu veranschaulichen — in begehbarer Grösse wäre es nicht mehr so oder gar nicht zu vermitteln.